Leistung im Spannungsfeld

 

In der Philosophie wird heute der  Begriff Homo faber (lat., ‚der schaffende Mensch‘ oder ‚der Mensch als Handwerker‘) benutzt, um den modernen Menschen von älteren Menschheitsepochen abzugrenzen.  Je nachdem, ob unsere inneren Erwartungen und Fähigkeiten mit den äußeren Erwartungen und Reaktionen im Einklang sind, befinden wir uns im Modus der Aufgabenerfüllung, der Problemerfüllung oder der Krisenbewältigung.  

 

Aufgaben zu lösen gehört ganz grundsätzlich zu unserem Leben. Das haben wir gelernt und daher können wir das auch ganz gut. Wenn wir etwas erledigen, sind wir im Flow und fühlen uns zufrieden. Das Erledigen von Aufgaben hebt unsere Stimmung , Probleme und ganz besonders Krisen bedrücken uns.

 

Probleme entstehen, wenn etwas Unvorhergesehenes auf uns zukommt. Wir haben das so nicht gewollt oder haben damit nicht gerechnet. Wir müssen einen Moment innehalten, weil wir nicht sofort darauf reagieren können. Doch zum Glück haben wir eine sehr große kreative Lösungskompetenz. Probleme werfen uns nicht aus der Bahn, im Gegenteil: wenn wir sie lösen konnten, haben wir meist unsere Fähigkeiten erweitert und sind stolz auf uns.

 

Krisen entstehen, wenn es uns nicht gelingt, ein Problem zu lösen.  Wir haben Angst und bekommen Stress. Dabei neigt unser Gehirn (genauer die Amygdala) dazu, auf eine Art „Notprogramm“ zurückzugreifen. Es fokussiert sich auf simple Denk- und Verhaltensmuster. Zur Angstbewältigung haben wir drei unterschiedliche Lösungsstrategien entwickelt:

  • Kämpfen, wenn wir stärker sind als der Gegner.
  • Fliehen, wenn wir schneller sind als der Gegner.
  • Totstellen, wenn wir weder das eine noch das andere sind.

Diese Reduktion macht uns zunächst einmal sehr reaktionsschnell. So konnten unsere Vorfahren dem Säbelzahntiger entkommen und entsprechend haben wir dieses Muster geerbt.

 

Nun sind unsere Krisensituationen heute etwas komplexer geworden als bei unseren Ahnen. Bei Corona zeichnet sich keine schnelle Lösung ab, so sehr wir es uns auch wünschen. Krisen nagen an unserem Selbstwertgefühl. Erste Hilfe für die Seele bietet dabei das Selbstmitgefühl. Es ist heilsam, wenn wir unsere Trauer vor dem Verlorenen und die Angst vor dem Neuen wahrnehmen, akzeptieren und ausdrücken können.  Das baut Spannungen ab und bringt uns zurück in angemessene Leistungen, auch wenn es anstrengend ist und dauert.

 

Unser Verlangen, nach einem baldigen Ende, birgt die Gefahr, dass wir denen auf den Leim gehen, die beschwichtigen, ablenken oder scheinbar einfache Lösungen parat haben. Wir glauben ihnen gerne, weil sie uns versprechen, die Welt wieder in Ordnung zu bringen.

 

Dieser Glaube kann gefährlich werden, denn er verhindern die Öffnung für Neues. Krisen können erst durch geänderte Denk-und Verhaltensmuster bewältigt werden. Unterbleiben diese notwendigen Anpassungen, oder werden sie auf die lange Bank geschoben, dann führt eine Krise geradewegs in die Katastrophe. 

 

Der Bezug zu Corona:  Niemand vermag heute zu beurteilen, was der angemessene Weg sein wird, der uns aus der Krise führt. In den Staaten werden verschiedene Vorgehensweisen ausprobiert, im Rahmen der Handlungsspielräume, die ihnen zur Verfügung stehen. Ich erlebe uns gerade in einem Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und kollektiver Solidarität, sowie wirtschaftlichen Konsequenzen und der Würde des Menschen. Um die Krise zu bewältigen, müssen wir alle vier Dimensionen berücksichtigen.

 

Aber sind wir wirklich schon in einer Krise? Aus Einsicht haben wir jetzt schon gravierende Verhaltensänderungen eingeführt, damit wir noch die Kurve kriegen, um schlimmeres zu verhindern. Dabei legen viel Menschen kreative Lösungskompetenz an den Tag. Wenn wir uns bewusst sind, von welch sicherer Basis aus wir agieren, dann fällt es leichter, uns für Neues zu öffnen zu spüren, worum es im Leben geht.

 

Eine ganz wesentliche Hilfe für die Seele ist nämlich auch, sich einmal bewusst zu machen, was uns auch der „Krise“ Halt und Sicherheit gibt.

 

Nachstehendes Video würdigt was auf sehr emotionale Weise.

Braunschweiger Lyriker/Satiriker  - Galerist – mit einer kleinen, feinen Galerie in der Karl-Marx-Str. 6

kontakt  - ts@thorsten-stelzner.de

 


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