Lock-down and Look-up

 

Corona beherrschte das Jahr 2020 und wird uns wohl auch 2021 noch weiter beschäftigen. Als Coach befasse ich mich mit persönlichen Veränderungsprozessen und tiel hier meinen persönlichen Rück- bzw. Ausblick.  (Stand Jahreswechsel 20/21)

 

In Deutschland konnten wir die erste Welle auf ein erträgliches Niveau senken. Als die anfängliche Schockstarre überwunden war, gab es etliche Lockerungen. In diesem Sommer haben wir uns stückweise unsere Lebensqualität zurückerobert oder im besten Fall haben wir neue Qualitäten entdeckt. Wir lernten, uns mit der neuen Situation zu arrangieren und hofften, die Pandemie im Griff zu haben.

Doch dann mussten wir einiges davon wieder in Frage stellen:

  • Die erste Enttäuschung zeichnete sich im Laufe des Oktobers ab, als die Zahl der Neuinfektionen wieder stieg, zunächst langsam, dann immer schneller. Deshalb wurde Anfang November der als „Wellenbrecher“ bezeichnete Teil-Lockdown beschlossen. Wir hofften, den Erfolg aus dem Frühjahr wiederholen zu können.
  • Die nächste Enttäuschung trat Ende November ein, als die Zahl der Neuinfizierten nicht sank, sondern auf hohem Niveau verharrte. Der Lockdown wurde verschärft, um Weihnachten zu retten.
  • Eine weitere Enttäuschung kam Mitte Dezember, als das Infektionsgeschehen weiterhin zunahm. Die verschärften Maßnahmen wurden bis zum 10. Januar 2021 verlängert. Und dann? Dürfen wir hoffen, dass es besser wird?

 

Als Coach sorge ich aber nicht für miese Stimmung, sondern möchte Denkanstöße für „ein gutes Leben“ geben, denn gerade in Krisen haben wir die Möglichkeit, neue Kompetenzen zu entwickeln, wenn wir uns darauf einlassen.

 

 

Lockdown – Gelegenheit, um runterzukommen!

 

Enttäuschungen sind etwas Unangenehmes.  Wir hatten es uns doch so schön vorgestellt und nun kommt es anders als gedacht. Ich meine aber: Enttäuschungen haben etwas Positives, denn vorher war ich getäuscht, nachher sehe ich klarer.

 

Unsere Vorstellungen stehen oft zwischen uns und der Realität und vernebeln unseren Blick auf die Wirklichkeit. Enttäuschungen zerstören unsere Vorstellungen. Das ist traurig und Trauer ist nun mal ein unangenehmes Gefühl.

 

Wenn wir einmal innehalten und uns überlegen, wie sich die diesjährige Weihnachtszeit von all den Ritualen und der Geselligkeit der letzten Jahre unterscheidet, kann man traurig werden. Das wahrzunehmen ist wichtig, denn Gefühle sind wie Bälle, die man unter Wasser drücken will: Das geht nur für eine Zeit, kostet viel Kraft, doch am Ende kommen sie wieder hoch.

 

Doch das Gute an Gefühlen ist, dass sie nicht von Dauer sind. Die schweizerische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross entwickelte die Theorie der „Fünf Phasen der Trauer“ , die wir bei der Verarbeitung von Trauer durchlaufen.

 

1. Verdrängung  - es nicht wahrhaben wollen, sich ablenken.

 

2. Wut                -  sich empören und Schuldige suchen.

 

3. Verhandlung  - wenigstens Reste der gewohnten Welt retten wollen.

 

4. Verzweiflung – begreifen, dass es so nicht weitergehen wird.

 

5. Akzeptanz – mit dem Verlust wird Frieden geschlossen, ein erlösender Wendepunkt tritt ein und ein Neuanfang beginnt.

Diese 5 Phasen können Anhaltspunkte liefern, wo wir in ihrer Corona-Bewältigungsstrategie stehen.  Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, nehme bitte Kontakt mit mir auf.

 

Vielleicht ist es an der Zeit zu akzeptieren, dass unser altes „Vor-Corona-Leben“ nicht so schnell wiederkommen wird. Ein Impfstoff ist zwar da, es wird aber noch einige Zeit dauern, bis alle geimpft werden, die das wollen. Es ist daher zu befürchten, dass die Spannungen und Frustrationen in den nächsten Monaten eher noch zunehmen werden. Das ist aber kein Grund, zum Verzweifeln, denn „Ein gutes Leben“ wird es auch in Zukunft geben.

 

 

Look Up – Sich auf die Suche machen

 

Als Menschen haben wir die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Das nennt sich Resilienz. Dabei sind folgende Grundhaltungen förderlich:

  • Akzeptanz
  • Optimismus
  • Lösungsorientierung.

 

Ich möchte Sie einladen, sich auf die Suche zu machen, wie diese resilienten Grundhaltungen Sie in Zeiten von Corona unterstützen.  

 

 

Akzeptanz

Manchmal laufen die Dinge in der Welt nicht so, wie wir es gerne hätten. Wir versuchen auftretende Probleme so lange wie möglich zu lösen, aber irgendwann sollten wir akzeptieren, dass nicht alles in unserer Macht steht. Die Realität ist zu groß und komplex, um sie vollkommen erfassen zu können.

 

Akzeptieren wird häufig mit „gutheißen“ verwechselt. Statt sich mit seinen Vorstellungen von der Realität zu distanzieren, geht es darum, sie staunend wahrzunehmen, um mit ihr in Resonanz zu kommen. In dieser Haltung verlassen wir den Modus der Konfrontation und werden offen für wirkliche Veränderung.

 

Wir können versuchen, Corona zu leugnen, zu relativieren, oder auf einzelne Aspekte zu reduzieren. Ein Virus lässt sich von unserer Meinung aber wenig beeindrucken, nur von unserem wirklichen Verhalten. Das zu akzeptieren, bringt uns in Kontakt mit der Welt und dem sicheren Boden der Realität näher. Von dieser gesicherten Basis aus, können wir uns neu orientieren.

 

 

Optimismus

Für mich bedeutet Optimismus nicht nur eine heitere und zuversichtliche Haltung zum Leben zu haben, sondern auch das Bewusstsein, in einer „optimalen Welt“ zu leben. Außer unserer jetzigen Realität haben keine andere Welt, in der wir leben könnten. Von daher leben wir in der besten aller möglichen Welten, also in einer optimalen, auch wenn sie nicht ganz unseren Vorstellungen entspricht.

 

Meine Schwiegermutter, die mit ihren 102 Jahren noch in ihrer eigenen Wohnung lebt, hat die positive Mischung aus Akzeptanz und Optimismus für mich neulich auf den Punkt gebracht:  

Es ist nicht leicht, so alt zu sein. Ich habe nur noch dieses kleine Leben, aber ich bin da und das allein ist ein Geschenk.

 

Corona hat auch unserem Alltag Grenzen gesetzt, doch es gibt auch viele Gründe, dankbar und optimistisch zu sein.  Ich lade Sie einmal ein, sich darüber Gedanken zu machen, worin sich unsere Lage heute von den Menschen unterscheidet, die vor 100 Jahren die spanische Grippe durchleben mussten, oder die im 14. Jahrhundert die Pest. Dagegen leben wir doch heute in einer „optimalen Welt“. Aus diesem Bewusstsein heraus, können wir die Welt mit unseren Beiträgen noch verbessern.  

 

Lösungsorientierung

Wenn wir von Lösungen sprechen, denken wir häufig an das Lösen von Problemen oder Rätzeln. Dabei wird angenommen, dass nur hart und lang genug gearbeitet werden muss, bis man die gewünschte Lösung hat.  Wenn es nicht funktioniert, wird sich noch mehr reingekniet, bis man Licht am Ende des Tunnels sieht.

 

Bei der Lösungsorientierung geht es darum, genau diesen Tunnelblick zu vermeiden. Wer nur auf eine einzige Lösung starrt, der verliert die Alternativen aus dem Blick. Es geht darum, sich zu lösen und locker zu werden, für einen breiteren Horizont. Mit Umsicht und Rücksicht können wir auch andere Blickwinkel integrieren.

 

Vielfalt ist ein Gewinn für alle, wenn sie solidarisch und konstruktiv gelebt wird. Das Distanzgebot mag diesen Austausch gerade etwas hemmen, aber vielleicht ist Lösungsorientierung gerade deshalb umso wichtiger, damit wir persönlich „gelöst sind und locker für Veränderung werden“.

 

 

 

Fazit für einen guten Start in ein gelingendes Jahr 2021:

 

Corona wird uns auch weiterhin nachhaltige Umwälzungen bescheren. Die Grundhaltungen Akzeptanz, Optimismus und Lösungsorientierung tragen dazu bei, besser wahrzunehmen, was uns trägt und uns zu öffnen für das, was möglich ist.

 

 

 

Handlungsfähig bleiben

 

Die nachtsehe Texte habe ich während des ersten Lockdowns im März/April 2020 verfasst.

Da ich der Ansicht bin, dass sie im Großen und Ganzen weiterhin zutreffen, lasse ich sie hier unverändert stehen.

 

Wie geht es jetzt weiter?  Neulich las ich den Satz: Der liebe Gott möchte doch bitte das Jahr 2020 löschen und neu installieren, denn es hat einen Virus. Wenn das doch nur so einfach möglich wäre. Bekanntlich sind wir ja aus dem Paradies vertrieben worden und müssen unser Geschick jetzt selbst in die Hand nehmen. Das Gute ist: Wir haben auch die Fähigkeiten, das ganz gut hinzubekommen.

 

Derzeit wird viel über Lockerungen diskutiert. Manchmal kommt es mir vor, als ob man „die Bremsen lösen will“, die wir zu unserer aller Sicherheit angezogen haben, um schnell wieder in Fahrt zu kommen. Das Virus ist aber noch in der Welt. Laufen wir nicht Gefahr, den Crash im 2. Anlauf zu erleben, wenn wir einfach nur weitermachen, wie bisher? 

 

Stehenbleiben ist keine Lösung, weder wenn damit das Nichtstun gemeint ist noch wenn es das Beharren im  „Weiter wie bisher“ ist. Ich verstehe Lockerung im Sinne von „locker werden für Veränderung“.

Umgang mit Schuld und Leid

Unser Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Es gibt kein Leben ohne Leid, Schuld und Tod. Doch auch in schwierigen Situationen sind wir nicht gezwungen, in eine Opferrolle zu fallen. Wir haben die Freiheit eine Haltung zu entwickeln, die uns ermöglicht, das Leid zu ertragen und damit umzugehen. Das ist die Aussage der Existenzanalyse den Wiener Neurologen, Psychiater und Philosophen Viktor E Frankl..

Leistung im Spannungsfeld

Es gehört zu unserem Leben, Aufgaben zu erledigen, Probleme zu lösen und Krisen zu bewältigen. Das verleiht unserem Leben einen Sinn. Läuft alles nach Plan, sind wir in unserem Flow und schaffen viel.  Leistungsfähigkeit hängt einerseits von den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, wird aber auch ganz wesentlich davon bestimmt, in welchem Umfeld wir uns befinden und wie die Welt auf uns reagiert.

Phasen der Veränderung

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Von einmal erlernten Verhaltensmustern verabschieden wir uns nur ungern. Genau das wird aber seit Ausbruch der Coronakrise von uns verlangt, und zwar in einer Schnelligkeit und einem Ausmaß, wie wir es gesellschaftlich vorher noch nicht am eigenen Leib erfahren haben. Wie in anderen Veränderungsprozessen reagieren wir in verschiedenen Phasen.

 


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